Der alte Lange erinnert sich

In den 60er Jahren hatten wir unser Lager in einer dunklen, nur schwach beleuchteten Holzhalle mit einem niedrigen Fachwerkvorbau, liebevoll „Baracke“ genannt, am Güterbahnhof Niederzwehren. Für mich als Kind hatte das einen ganz eigenen Reiz. Von den Deckenbalken hingen Ketten und große Bündel auf Draht gezogener Holzverbinder. Es gab große Holzkisten mit Messing-Unterlegscheiben, vernickelt und blank. Das waren für mich Geschmeide und riesige Haufen Gold- und Silbermünzen, die schummrige Halle war eine Schatzhöhle.

Das klingt vielleicht ein wenig romantisch, war es sicherlich auch. Aber Romantik hat ihren Preis. Unsere Abholkunden kamen in einem winzigen Verkaufsraum an; die vielleicht 12 qm Platz vor dem Tresen waren gleichzeitig der Windfang. Im Winter wurde ein dicker Vorhang vor die Eingangstür gezogen, damit es nicht so reinzog. Im Lager stand ein großer Ofen und im Winter war ich öfter auch am Wochenende mit meinem Vater in der Firma. Dann hat er Koks in den Ofen geschippt, damit über das Wochenende nicht alles völlig auskühlte.

Wenn heute mein Enkelkind in der Firma ist, frage ich mich, was es einmal an Kindheitserinnerungen an unser aktuelles Firmengebäude, insbesondere an Laden und Lager, haben wird. Wir haben einen Laden, der mehr als 40 Mal größer ist, als der Abholtresen in der alten Baracke. Wir haben in Laden und Lager ungleich bessere Lichtverhältnisse; richtig hell und freundlich wirkt alles. Die Kunden brauchen bei uns auch nicht nicht mehr zu frieren, auch dann nicht, wenn Sie Jeans oder Arbeitskleidung anprobieren und sich dafür in den Umkleidekabinen umziehen.

 


Damals am Güterbahnhof firmierten wir als Eisen- und Eisenwarengroßhandlung. Heute haben wir den Anspruch, Standard-Arbeitsmittel und C-Teile unseren Kunden in Industrie und Handwerk in voller Breite zur Verfügung zu stellen. Der Opel Blitz, mit dem unser Fahrer ehemals die Schrauben zu den Kunden brachte, in der Regel einmal wöchentlich, ist leistungsfähigen Logistikspezialisten gewichen. Täglich, in der Stadt Kassel und Umgebung sogar zweimal täglich, liefern sie für uns aus. Ach ja, die gute alte Zeit, da war doch alles noch viel gemütlicher.

Entsprechend werden auch die Erinnerungen meines Enkelkindes nicht so romantisch geprägt sein wie meine eigenen. Zumindest die dunkle Schatzkammer wird es sicherlich nicht sein. Schade eigentlich. Oder doch nicht?


Ein gemütliches Wochenende wünscht Ihnen Ihr

Stefan Lange.

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